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Gerda Korth, Glessen

Glessener Straßen und Wege

Glessen war um 1900 ein kleines Straßendorf. Die meisten der rund 1000 Einwohnern wohnten an der Hauptstraße (Hohe Straße). Dicht an dicht lagen hier ca. 20 aktive Bauernhöfe.

Kühe, Schafe, Ziegen, Pferdewagen und Menschen, die über tief zerfurchte Feldwege heimkehrten, brachten viel Schmutz mit. Keine der wenigen Straßen war gepflastert oder gar asphaltiert. Jedoch waren die Wege innerhalb des Dorfes und zu den Nachbardörfern auch keine einfachen Feldwege mehr.


Ölgemälde Hauptstraße (Unterdorf) von Christian Marx und alte Postkarte der Hauptstraße in Glessen


Der Bauunternehmer Heinrich Schmitz erzählte, wie er als Kind beim Bauen einer „Straße" zugesehen hat:

„Zuerst hat man Basaltsteine in der Größe von Gänseeiern drauf geworfen. Dann fuhr eine Walze, die Wasser in sich hatte, rauf und runter darüber und wässerte die Straße ein. Anschließend wurde Sand draufgeschaufelt, so 15 bis 20 cm hoch. Der überflüssige Sand wurde dann zusammengekehrt. Auf die fertige Straße legte man dicke Steine, um die die Fahrzeuge im Slalom fahren mussten. So wurden die Straßen gleichmäßiger abgefahren.

Diese Wege wurden regelmäßig kontrolliert und repariert. In Pulheim gab es die Straßenwärter, die täglich mit dem Fahrrad die Straßen entlang fuhren und mit Schaufel und Hacke nach dem Rechten sahen. In Glessen gab es dafür den „Wegewärter“, der vom Bürgermeisteramt Hüchelhoven eingesetzt wurde.

Und wenn irgendwo Löcher waren, in die die Pferdefuhrwerke hineinrumpeln konnten, Löcher, die immer größer wurden, in denen das Wasser stehen blieb, dann ging der hin, machte sie am Rand sauber und füllte sie mit dem Material, das in regelmäßigen Abständen am Straßenrand deponiert war, Sand oder Kies oder Splitt, klopfte alles fest und legte wieder einen dicken Stein, so 20 bis 30 kg schwer, auf die reparierte Stelle. Nach zwei Monaten, wenn es ein paar mal darauf geregnet hatte, und das Regenwasser den feinen Sand reingespült hatte, war das Ganze wieder fest. Dann erst wurden die Steine entfernt. Die Pferdewagen mussten so lange um sie herum fahren.

Und wenn es im Herbst viel geregnet hatte, dann musste der Wegewärter die Straße ´schlampen`. Mit einem halbrunden Eisen, ungefähr 8 cm hoch, zog er den Schlamm an die Gossen. Und wenn der Matsch ein bisschen angetrocknet war, wurde der auf Haufen gefegt und abgefahren. Das Zeug kam dann in den Hedepohl. Das war früher unsere Müllkippe.

Erst ca. 1935 wurde die Hohe Straße gepflastert. Sie soll auffällig hoch gewölbt gewesen sein. Es gab nur wenige Bürgersteige.

Die meisten Häuser waren fest an die Gossen gebaut, „so dass man gewöhnlich beim Austreten aus einem Hause zunächst in die Vertiefung, in den Schmutz, oder zur Winterszeit in die Vereisung der Gosse tritt. Dies verlieh zudem dem Straßenbild ein unfreundliches Aussehen. Während auf der gegenüberliegenden Straßenseite die Kanalisation mit Gosse und Randstein ausgebaut war, gab es auf unserer Seite nur eine Sood (= Gosse), mit runden Kieselsteinen ausgelegt. Die gesamten Abwässer von fast fünfzehn Häusern flossen durch unsere Sood und an zwei Nachbarn vorbei in den „Blutgraben". Dieser Blutgraben mündete in den Dorfbach. In einem Senkchens setzte sich der schlimmste Morast ab....

Jeden Samstag war überall im Dorf großes Reinigen der Straße und der dazugehörigen Gosse... Als erstes wurden mehrere Schubkarren Morast, Sudder, Schlamm, Zolper, Matsch, Schlever, oder wie immer man es nennen wollte, aufgeladen und auf den Sammelunrathaufen auf dem Gerätehof abgeladen. Die Männer schimpften jedes Mal, wenn wieder eine Pferdekarre voll wurde. Bei trockener Witterung sammelten sich Unmengen an Staub auf Fenstern, Türen und in den Häusern an. War der ärgste Dreck weg, schrubbte Mama mit ...einem... Bessem (Besen) die Sood. Die Kinder schleppten das nötige Wasser heran."

Wie der Bürgermeister Simons berichtete, gab es 1925 in Glessen außer der Hauptstraße noch 12 Wege:

1. Im Dreck, 2. Gemeindegässchen, 3. Heuweg, 4. Honiggasse, 5. Hüll, 6. Judengasse, 7. Kirchgässchen, 8. Lapprathsweg, 9. Sälch, 10. Roter Weg, 11. Sommerhaus, 12. Wolfsgasse.

Viele alte Namen sind verschwunden. Manche Wege gibt es nicht mehr, andere wurden umgelegt.

Ein gutes Beispiel ist die Geschichte des Gemeindegässchens, das 1786 erstmalig erwähnt wurde. Man nannte es auch das "Plüüsch Gässchen" (Hüppelers hießen mit dem Spitznamen Plüüsch). Das war einmal genau so breit wie das gegenüberliegende Schulgässchen und ging von der Hohe Straße aus grade hinunter zum Mühlenteich. Es musste um ein paar Meter zur Seite verlegt werden. Auf seinem Platz steht heute die Gastwirtschaft Haus Hüppeler. Jetzt ist noch kaum zwei Meter breit. Das Gässchen ist jetzt so eng, dass alle Dicken Platzangst haben müssen. Wenn einer entgegenkommt, muss man sich querstellen. Den Regenschirm klappt man am besten zu. So erzählte Frau Baethge. „Im Dreck“ heißt heute „Im Tal“. Die Drenk (Tränke) gibt es nicht mehr. Der Heuweg ist zum größten Teil von der Kippe zugeschüttet. Die Judengasse ist die heutige Giethgasse. Auch der Rehweg, die Enge Gasse, der Lapprathsweg sind verschwunden. Der Rote Weg ist weitgehend unter der L91 begraben. Die Wolfsgasse (später auch Schultsgasse oder einfach Gasse genannt) ist heute ein Teil der Brauweiler Straße.

Von der Wegeliste des Herrn Simons sind nur vier Namen geblieben, die heute noch gebäuchlich sind:

Honiggasse, In der Hüll, Im Selch und Sommerhaus.

Erst in den 50er Jahren fing man an, einige weitere Straßen zu kanalisieren und zu asphaltieren. Wann das im einzelnen geschah, kann ich nicht genau sagen. Es gibt keine Straßenbauakten mehr, da laut Auskunft des Straßenbauamtes Euskirchen die Akten nur 15 Jahre lang aufbewahrt werden müssen. Glessener erzählen, dass ab 1961 die Talstraße kanalisiert wurde, die Hohe Straße durchgehend Bürgersteige und eine Asphaltdecke bekam, und die Winfriedstraße befestigt wurde.

In dieser Zeit verlief die Hauptverbindung von Brauweiler nach Bergheim innerhalb Glessens über die Brauweiler Straße, durch die Hüll, über die Winfriedstraße, die damals Oberaussemer Straße hieß, nach Oberaussem und ging dann durch den Wald über Quadrath nach Bergheim. Erst 1975 war die L91 (heute Zum Gut Neuhof) fertig. Die Wirtschaftswege zwischen den landwirtschaftlich genutzten Flächen wurden zur gleichen Zeit neu angelegt und asphaltiert.

Nach 1950 entstand rund um den Dorfkern ein Baugebiet nach dem andern. Die Anzahl der Straßen und Wege wurde fast unübersehbar, und auch „alte“ Glessener kennen nicht mehr alle. Neue Straßennamen mussten gefunden werden. Meistens nahm man die Namen der ortsgeschichtlichen Gemarkungen und der Höfe, die die Straßen zudeckten oder streiften (Im Kamp, Am Breuershof). Oder man ehrte mit einem Straßennamen bekannte Glessener Persönlichkeiten (Pfarrer-Tirtey-Straße). Erst in den letzten Jahren gingen die Namen über den rein heimatkundlichen Bereich hinaus (Kurt-Schumacher-Straße).

Nach der Eingemeindung in die Stadt Bergheim im Jahr 1975 musste mancher liebgewordene Namen geändert werden. So wurde z.B. aus der Hauptstraße die Hohe Straße und die Gasse bekam ihren offiziellen Namen wieder: Brauweiler Straße.

Mit den alten und neuen Straßennamen verbinden sich viele Geschichten. Alles, was ich darüber erfahren konnte, habe ich hier aufgeschrieben.

Alte Windmühle

Etwas außerhalb von Glessen, Richtung Fliesteden, zweigt von der Hohe Straße der Aspaltweg Alte Windmühle ab. Die Mühle wurde kurz nach dem Zweiten Weltkrieg abgebrochen. Im Gelände des Mühlenhofes erkennt man noch ihren ehemaligen Standort. Sie war ein Steinbau mit einer beweglichen Turmhaube und Flügeln. Mit einem Balken konnte die Haube gedreht werden, so dass die Flügel immer im richtigen Winkel zum Wind standen. Diesen Mühlentyp, der aus Flandern kam, nannte man Holländer oder Turmwindmühle.

Bis 1814 hatten die Landesherren das sogenannte Mühlenregal. Sie allein durften Mühlen bauen und betreiben. Der „Mühlenbann“ war für die Bauern eine drückende Last. Man versuchte, mit kleineren Hand-, Hunde- oder Rossmühlen, heimlich den Bann zu umgehen. Wer erwischt wurde, erhielt eine harte Strafe. Die Glessener Mühle muss eine große Mühle gewesen sein. Denn die französische Besatzungsmacht stellte in einer Volkszählung 1799 fest, dass die Glessener Mühle einen 15- Personenhaushalt hatte.

Mit der französischen Gesetzgebung kamen die Mühlen in das Eigentum der Gemeinden. Der Mühlenbann wurde aufgehoben. Nach dem 1. Weltkrieg kam für die Windmühlen eine Krisenzeit: In Köln und Neuss wurden Großmühlen gebaut, die mit Dampf und Elektrizität angetrieben wurden. Die Windmühlen wurden unrentabel.

Am Abtshof

Der Abtshof wird zuerst 1422 erwähnt. In einer Chronik aus dem Jahr 1620 taucht für diesen Hof der Name Breuershof auf. Wie heute noch im Keller an der entsprechenden Bauweise zu erkennen ist, war hier wahrscheinlich das Brauhaus des Abtes von Brauweiler. Aus dem „Bräuhaus“ wurde „Bräuhof“, später „Bräuershof“ und zuletzt Breuershof, wie er später katastermäßig festgehalten wurde. Bei den Ortseinwohnern heißt dieses Anwesen der „Mellerhof“, obwohl Herr und Frau Meller diesen Hof erst 1929 von den Geschwistern Vaasen, Köln, gepachtet und im Jahr 1939 erworben haben.


Wohnhaus Mellerhof, Hofseite

Am Acker

Der Name war ursprünglich eine Flurbezeichnung.

Am Breuershof

Siehe: Am Abtshof

Am Frankenfeld

Der Name weist hin auf die Franken, die im 6. Jahrhundert n. Chr. unsere Gegend erobert haben. Auf dem ehemaligen Hof der Familie Henk (Hohe Straße 1) wurden 1879 beim Ausbau einer Scheune Hinweise auf ihre Anwesenheit in Glessen gefunden: eine Lanzenspitze, ein Sporn und etliche Tonscherben. Leider gingen die Kulturspuren, wie Frau Meller geb. Henk, erzählte, im zweiten Weltkrieg verloren. Ob speziell die Straße „Am Frankenfeld“ etwas mit den Franken zu tun hat, ist nicht erforscht.

Am Fuchsberg

Schon 1450 gab es den Fuchsberg. Im Jahr 1612 hieß er Voeßberg; Fuchsberg ist also eine alte Flurbezeichnung.


Fuchsberg im Winter 1986, noch unbebaut

Am Heidenpfuhl

Diese kleine Straße ist kaum zehn Jahre alt. Der erste Teil ihres Namens (Hede oder Heiden) hat mit sogenannten Ungläubigen nichts zu tun. So wurden in alter Zeit die durchziehenden "Zigeuner" oder Gewerbetreibende genannt (heute auch „Wennläpper“). Sie lagerten auf dem damals noch freien Gelände. Ein Glessener erzählte, dass er noch am Anfang des zweiten Weltkrieges dort Kesselflicker, Scherenschleifer und Zigeuner gesehen hätte, die ihr Abendessen bereitet hätten.

Den zweiten Teil des Namens hat die Straße von dem sumpfigen Platz (Pohl), der sich hier bis zur jetzigen Straße „Zum Gut Neuhof“ erstreckte. Der Glessener Bach war damals breiter und verlief nördlicher als heute quer durch den Hedepohl. Über ihn gab es eine steinerne Brücke. Mit dem „Hedepohl“ ist die grausliche Sage verbunden, dass hier in heidnischer Zeit alte, arbeitsunfähige Menschen getötet worden sind. Dabei soll folgendes Lied gesungen worden sein: „Weil du nicht mehr kannst mähen, musst du hier zu Tode gehen.“ Ein geschichtlicher Hintergrund lässt sich nicht nachweisen.

Die Karte von 1907 zeigt deutlich, dass man sich das Gebiet des „Hedepohls“ als einen langgestreckten Platz vorstellen muss. Es war viel breiter als jede eingezeichnete Straße.

In den 60er Jahren wurde aller Bauschutt und Abfall aus dem Ort und der Umgebung hier abgekippt. Ca. 150 Betonpfeiler wurden in den morastigen Boden gesetzt, so dass man einen breiten Randstreifen des Hedepols als Bauland nutzen konnte. Dort steht heute das Gebäude der Volksbank.

Am Hofheckerweg

Früher hieß das alles hier "Oberaußemer Straße rechts und links". Weil man hier nach Oberaußem ging. Die L91 gab es noch nicht. Der Name Hofheckerweg ist später gekommen. Auf einer Karte von 1950 bezeichnete er das gesamte Dreieck zwischen den Straßen Winfriedstraße, Zum Gut Neuhof und In der Hüll. Heute ist er nur noch die Bezeichnung für das Sträßchen, das die Siedlung Am Kirchgarten von Norden nach Süden durchquert. (Bis jetzt hab ich noch keine Akte und keinen Einwohner gefunden, der erklären kann, woher der Name stammt.)

Am Kirchgarten

Das dreieckige Landstück zwischen Winfriedstraße und In der Hüll war zum größten Teil in Gemeindebesitz. 1973 begannen 7 Privatleute die Spitze des Dreiecks zu bebauen. Ihr Straßenstück hieß bis zur Eingemeindung Goethestraße und in der Verlängerung Schillerstraße. Kurz danach, 1979/80, begann man die weißen Siedlungshäuschen zu bauen. Es sind keine Sozialbauten. Das waren die ersten platzsparenden Häuser hier in Glessen. Sie sind alle fest aneinander gebaut- so ein bisschen versetzt und haben nur sehr kleine Grundstücke.

Nach der Eingemeindung 1975 wurde das gesamte Gebiet in „Am Kirchgarten“ umbenannt. Mit der Kirche hat das Land nichts zu tun. Herr Michels weiß, dass hier ein Druckfehler vorliegt: Die Straße sollte eigentlich ´Am Kirschgarten` heißen. Solch einen Kirschgarten hat es hier tatsächich gegeben.

Am Keuschenbroich

Schon von weitem sieht man im Nordosten von Glessen die mächtigen Pappeln des Keuschenbroich. Der Name leitet sich ab von Keusch = Schilf, Biesen, Leusch oder Lüsch, wie man zu Plattdeutsch sagt und Broich = sumpfige Wiese, also sumpfiges Schilfland. In diesem Keuschenbroich sollen früher die Schweine der Umgebung geweidet haben.

Seit 1994 ist der Keuschenbroich ein geschütztes Biotop. Es ist eines der wenigen Feuchtgebiete, die es im Kreis nach dem Absenken des Grundwassers für den Braunkohlebergbau noch gibt. Die Pappeln, die ihr zu erwartendes Lebensalter von ca. 40 Jahren längst überschritten haben, - viele sind bereits umgestürzt - umschließen ein umfangreiches Quellgebiet. Ein kleiner Weg schlängelt sich hindurch. Aus dem Biotop fließt der ca. 1,2 km Keuschenbroichgraben, der den Glessener Bach speist. Der größte Teil des Grabens ist naturbelassen.

Zwei Drittel der etwa 300 Pappeln wurden Anfang 2005 gefällt, um hier Eschen und Roterlen anzupflanzen. Feuchte Mulden sollen angelegt werden, in denen sich Amphibien, Libellen, Schwertlilien und Schilf ansiedeln können. Auf den umliegenden Äckern sollen eines Tages 10000 Bäume und Sträucher stehen. Der größte Teil des Grabens ist naturbelassen.

Am Langen Garten

Der Name ist eine Flurbezeichnung. „Alte“ Glessener erinnern sich noch an die ausgedehnten Gärten, die bis hinunter zum Bach reichten. Heute stehen an dieser Straße Ein- und Zweifamilienhäuser, in denen viele junge Familien wohnen. Die schmale Straße wird intensiv als Spielstraße genutzt.

Am Mühlenteich

Bis 1975 hieß diese Straße Mühlenstraße. Die Wassermühle, die früher zum Gut Neuhof gehörte, wird in der Kirchenchronik von Glessen schon um 1550 erwähnt, war also eine der ältesten Mühlen in unserer Gegend. Für genügend Wasserdruck zum Antrieb des Mühlenrades wurde das Wasser des Glessener Baches in einem Teich gestaut. Die älteren Glessener kennen ihn als Fabricius-Weiher. 1910 wurde das hölzerne Wasserrad durch ein eisernes ersetzt. In dieser Zeit wurde die Mühle an die Elektrizität angeschlossen, so dass auch in den Sommermonaten bei Niedrigwasser gemahlen werden konnte. Ca. 1950 wurde sie stillgelegt. Der Weiher wurde zugeschüttet und bebaut.

Am Rosengarten


altes Foto: Blick vom Rosengarten zur Talstr. (Im Tal)

Die Gärtnerei Hoven hatte früher hier Grundstücke, auf denen sie Rosen und andere Blumen für den Verkauf zog. Auf der Dt. Grundkarte von 1974 sind hier noch 4 Gewächshäuser eingezeichnet.

Am Schultsgarten

Am Schultsgarten erinnert an den ehemaligen Flurname "Hinter Schults Garten". Die Straße verbindet In der Hüll und die Pfarrer-Tirtey-Straße. Sie begrenzte den großen Garten, der zum Hof der Familie Schult (heute Conzen) gehörte.

Am Sieberath

Den Namen bekam die Straße erst nach 1975. Er bezieht sich auf die Flur Sieberath, in der die Straße gebaut wurde. Rath bzw. Rott bedeutet Rodung. Der Siebenrott ist ein Teil der großen Staatswaldung Ville gewesen.

Nicht weit entfernt, aber schon auf Dansweiler Gebiet, findet man heute noch den Flurnamen Siebenrothshütte.

Am Sprung

Dieses Gelände hieß früher auch „An de Sprüng“ oder „Am Sprüngschen“. Sprüng bedeutet im Rheinischen Platt „Quelle“. Schon 1683 wird hier eine Quelle nachgewiesen.

Am Steg

„Am Steg“ ist auch eine alte Flurbezeichnung. Hier war immer eine kleine Brücke über den Glessener Bach. Es war, und ist es noch, eine Abkürzung von der Brauweiler Straße zur Hohe Straße.

Am Steinweg

Am Steinweg“ da haben sie früher immer Am Steenrutsch zu gesagt. Das ganze Gebiet hieß Steenengarten. Auf einer Karte von 1907 wird es auch "Auf dem Steinen Garten" genannt.

Am Zehnthof

Die „alten“ Glessener wundern sich darüber, dass man dieser Straße auf dem Weingartsberg den Namen „Am Zehnthof“ gegeben hat. Der ehemalige Zehnthof lag nämlich am Weg von der Hohestraße zur Straße Am Mühlenteich. Heute ist der Hof verschwunden, und der Weg ist nur noch eine sehr schmale Gasse. Der Pächter des Zehnthofes hatte für den Abt von Brauweiler die Zehntabgaben von mehreren Höfen in Glessen einzubeziehen. Die Abgabe setzte sich aus dem 10. Teil aller bäuerlichen Erträge, also auch der Viehhaltung, zusammen und war eine Naturalabgabe. Der Zehnte wurde von den Franzosen um 1800 abgeschafft.

An der Abtsmühle

Unterhalb Im Kamp (Flurname) lag die Abtsmühle. Es scheint keine sehr große Mühle gewesen zu sein. Denn die Glessener nannten sie auch „Abtsmüllchen“. Bis Anfang 1800 gehörte die Getreidemühle der Abtei von Brauweiler.

Sie wurde zuletzt von dem Besitzern der Windmühle Schopen und Kaesmacher mit benutzt. 1886 wurde sie vom Blitz getroffen. Danach ist sie bald abgerissen worden.

Viele Jahre hat das Gelände dem Unterdorf als Müllkippe gedient.

An der Alten Schmiede

Im Jahr 1786 hieß dieser Weg An der alten Schmidden. Wo hier eine Schmiede gewesen ist, habe ich nicht erfahren können. Glessen hatte nach Aussagen von Glessenern um 1930 zwei Schmieden, eine lag auf der Ecke Im Selch - In der Hüll, in der Nähe der Gastwirtschaft Spenrath, die andere auf der Hohe Straße. Die wurde bis vor kurzem noch von Herrn Maus betrieben. Als der neue Friedhof angelegt wurde, wurde dieser Weg "Am Friedhof" genannt So hieß er bis zur Eingemeindung.

An der Brennerei



Bis 1960 gab es hier eine Schnapsbrennerei, die zum Hof Conzen gehörte. Vor und im letzten Krieg wurde hier guter Schnaps gebrannt, der bis ins Ruhrgebiet verkauft wurde. Glessener erinnern sich, dass das ganze Dorf nach Schnaps stank, wenn die Maische die Gosse hinunterlief. Nach dem Krieg durfte nur noch Industriealkohol hergestellt werden.

An der Broichseiche

„Broicheich“ ist nach Simons eine alte Flurbezeichnung.

Warum diese kleine Straße nicht nach dem alten Broichshof benannt wurde, sondern nach einer wahrscheinlich mächtigen Eiche, lässt sich nur ahnen. Vielleicht war der Baum ein Wegezeichen, der den Beginn des Heuweges – eine alte Heeresstraße – (heute Liebesallee) anzeigte?

An der Kirche

Der Name erkärt sich von selbst. Das Sträßchen liegt unmittelbar hinter der katholischen Pfarrkirche.

An der Kriegskaule

Der Name „Kregskuhl“ bezeichnete früher die Flur von der Dansweiler Straße bis zum Sportplatz. Simons erzählte zur Entstehung des Namens folgende Geschichte:

Im Jahr 1794 hatten in den nahen Waldungen 15.000 Franzosen zu Pferd 17 Tage lang ihren Aufenthalt. Sie plünderten in Glessen 8 Tage hintereinander, schlugen Fenster und Türen ein, raubten Geld, Kleidungsstücke, Brot, Fett, Hausgeräte, kurz alles Greifbare und verbreiteten namenlosen Schrecken unter den Einwohnern. Dem damaligen Rektor Schoogh zogen sie das Hemd über dem Kopfe vom Leib. Die Franzosen lagerten nach der glaubwürdigen Erzählungen älterer Leute in der Nähe des Judenfriedhofs zwischen Glessen und Dansweiler in der Vertiefung, die von jener Zeit an den Namen „Kriegskaul“ führt. Als schließlich die Horden abzogen und nur noch wenige im Lager zurück blieben, eilte Groß und Klein, mit Dreschflegeln und Heugabeln bewaffnet, dorthin, vertrieben die „Frantzmänner“ und holten ihre Kessel und Töpfe wieder.

Auf dem Mühlenberg

Alte Einwohner von Glessen berichten, dass ihre Großeltern von einer Windmühle auf den Mühlenberg erzählt haben, die auf der Höhe des jetzigen Wendehammers gestanden hätte. Hier entstand in den 60er Jahren die zweite Glessener Siedlung. Sie war hauptsächlich für kinderreiche Familien gedacht. Das Land gehört der Katholischen Kirchengemeinde St. Pankratius und wurde in Erbbaurecht an die Bauwilligen abgegeben.

Auf dem Steinengarten

Dieses Sträßchen wird von manchen Glessenern heute noch Hasenstraße genannt. Sein Name hat sich sehr oft geändert: Ganz früher hieß es Am Sprung. Zu Kriegszeiten war es die Hermann Göring Straße.

Bis zur Eingemeindung nach Bergheim hieß es Im Selch. Der jetzige Name ist eigentlich der älteste. Steinengarten heißt sie nach dem alten Flurnamen dieses Gebietes. Südlich der Winfriedstraße war karges, unfruchtbares Land.

Braunfeldsmühle

Der Straßenname erinnert an einen der ehemaligen Besitzer des Gutes Neuhof. Im Jahr 1720 wurde die Familie von Braunfeld mit dem Rittersitz Neuhof bei Glessen belehnt. Franz Ignatz von Braunfeld heiratete 1772 Adelheid von Schiller. Ihrer beider Wappen sieht man heute noch - stark verwittert - über dem Tor zum Neuhof. Ihr Sohn wurde 1810 Maire (Bürgermeister) von Hüchelhoven. In dieser Eigenschaft war er ein „kleiner König“ in seiner Gemeinde. Den Braunfelds gehörte die Mühle am Fabriciusweiher.Wo hier in der jetzigen Straße Braunfeldsmühle eine Mühle gestanden hat, ist nicht bekannt.

Brauweiler Straße

Diese Straße war die Verbindung der Abtei Brauweiler mit Glessen. Bis 1801 war der Abt von Brauweiler hier im Ort für alle kirchlichen Belange zuständig. Außerdem besaß die Abtei hier mehrere zinspflichtige Höfe, die Jahr für Jahr den „Zehnt“ abführen mussten. Die Abgaben an Korn, Obst, Wachs, Wein u. a. wurden im Dorf in der Zehntscheune gesammelt und dann über diese Straße transportiert. Dabei musste ein Grenze überschritten werden: Staatlich gehörte Glessen nämlich bis 1801 zum Herzogtum Jülich, während Brauweiler ein Teil von Kurköln war. In der ehemaligen Brauweiler Hüll, -heute ist die Straße hier begradigt -, müssen wir uns die Grenze, eventuell auch einen Schlagbaum, vorstellen. Der Name „Brauweiler Straße“ endete bis zur Eingemeindung am „Hedepohl“. Der „abzweigende Weg hieß zu unserer Schulzeit Wolfsgasse (1786 erstmalig erwähnt). Wie an anderer Stelle ausgeführt, hat es früher in hiesiger Gegend Wölfe gegeben. Da jedenfalls damals der Wald bis unmittelbar an die Ortschaften reichte, haben sich zweifellos jene Bestien bis an die menschlichen Wohnungen herangewagt. Hat doch Herr Schult damals eine Schießprämie für die Erlegung eines Wolfes erhalten.“ Bei vielen Glessenern heißt dieser Teil der Brauweiler Straße auch heute noch kurz „Die Gass“.

Carl-Diem-Straße

Diese Straße führt zum Sportplatz. Sie hieß bis zur Eingemeindung nach dem Turnvater „Jahnstraße“. Carl Diem war im Dritten Reich Generalsekretär des Dt. Reichsausschusses für Leibesübungen. Er organisierte 1936 die Olympischen Spiele in Berlin. 1947 bis 1962 war er Rektor der von ihm gegründeten Deutschen Sporthochschule in Köln.

Dansweiler Straße

Diese alte Straße führt nach Dansweiler. Auf älteren Karten wurde sie noch mit Dansweiler Weg bezeichnet.

Eibenweg

Vor der Eingemeindung hieß diese Sackgasse Ahornweg. Bevor die kleine Siedlung hier gebaut wurde, gehörte dieses Gelände zur Flur An der Kriegskaule.

Geschw.-Bentheuer-Straße

Die Geschwister Bentheuer hatten in Glessen ein ansehnliches Eigentum. Da sie keine direkten Nachkommen hatten, vermachten sie ihr Vermögen den Glessener Vereinen. Der Kirchenchor, der Gesangsverein, der Schützenverein und all die andern Vereine bekamen je 10.000 DM. Auch die Bestuhlung der Mehrzweckhalle wurde von ihnen bezahlt. Die Kirchengemeinde bekam 90.000 DM. Herr Hensen schätzt, dass ca. 150.000 bis 200.000 DM von den Geschwistern Bentheuer gestiftet wurde. Zum Dank hat man eine Gedenkplatte auf ihr Grab gelegt und eine Straße nach ihnen benannt.

Giethgasse

Bis zur Eingemeindung im Jahr 1975 hieß diese Straße Friedhofsstraße. Der Name Giethgasse kommt von „Judengasse“. So hieß sie auch bis zur Hitlerzeit. Hier in Glessen hat früher „eine verhältnismäßig größere Anzahl Juden gewohnt.“

Heuweg

Bis zur Aufschüttung der Kippe war der Heuweg ein wichtiger Teil der direkten, gut befestigten Verbindung von Brauweiler zur Aachener Straße bei Frechen-Königsdorf. Heute bezeichnet der Name nur noch das kurze Stück vom Sportplatz bis zur Glessener Höhe. Der längere Teil ist unter den Abraummassen der Kippe verschwunden.

Höhenweg

Der steile Anstieg des „Sommerhaus“ trifft auf den Höhenweg. Hier hat man eine kleine Hochebene am Nordrand der Ville erreicht. Diese Höhe wird auch die Platte, Klein-Gless oder Vimischhöhe genannt. Die Name "Höhenweg" ist neu. Früher ging die Straße "Am Sommerhaus" um die Ecke bis zum Heiligenhäuschen. Ein schmaler Feldweg, (1786 Am heiligen Häuschen genannt), führte bis ca. 1950 zu den Feldern der Landwirte Hüppeler und Nöthen. Hinter dem Heiligenhäuschen soll das Reich der "Weißen Frau" und des "Füremannes" gewesen sein, mit denen man die Kinder schreckte.

Als das erste Haus an diesem Weg 1960 gebaut wurde, nannte man diesen Weg Höhenweg.

Hohe Straße

Vor der Eingemeindung hieß diese Straße Hauptstraße, im Dritten Reich Adolf-Hitler-Straße. Ihren jetzigen Namen bekam sie von Herrn Scheurer. In Anlehnung an die Hohe Straße in Köln schlug er 1975 diesen Namen auch für die Glessener Geschäftsstraße vor. Die Straße war immer die „Hauptschlagader“ des Dorfes. Alles, was wichtig war für das Zusammenleben, lag dort: die Kirche, die Schule, Geschäfte, die Post, eine Tankstelle, Gasthäuser. Die meisten Hofgebäude des landwirtschaftlich geprägten Dorfes hatten zu dieser Straße hin ihre Toreinfahrten. Bis mindestens 1950 gehörten Pferde, Hühner, Ziegen, Traktoren und Erntewagen zum Straßenbild. Inzwischen wurde die Schule zum Wierichskamp umgesiedelt. Die Tankstelle wurde abgerissen. Nur wenige landwirtschaftliche Geräte passieren heute noch diese Straße. Und doch ist die Straße auch heute noch voller Leben. Der Verkehr aus und nach Fliesteden und Büsdorf geht durch dieses Nadelöhr. In den Hausptverkehrszeiten stopfen Autos, Busse, Motorräder es fast zu. Trotzdem findet noch viel dörfliches Miteinander hier statt. Auf den schmalen Bürgersteigen werden Kinderwagen jongliert, Einkaufstaschen geschleppt und an den parkenden Autos vorbei Fahrräder geschoben. Dazwischen sieht man immer wieder Dorfbewohner, die die neuesten Dorfnachrichten austauschen.

Seit mindestens 20 Jahren wird eine Umgehungsstraße gefordert. Nie reichte die Finanzierung. Inzwischen muss befürchtet werden, dass die benötigten Grundstücke, die bis jetzt freigehalten wurden, bebaut werden.

Honiggasse

In den Akten der Brauweiler Abtei tauchen immer wieder Hinweise auf, dass der Zehnt auch mit Wachs bezahlt werden musste. Im Ort wird es deshalb viele Imker gegeben haben. Wie Simons schreibt, scheint man jedoch nach der Auflösung des Klosters keinen großen Wert mehr auf die Bienenzucht gelegt zu haben.

Pfarrer Bertrams führt den Namen "Honiggasse" auf den Eigennamen der Familie Hoynchs zurück. Das elterliche Haus der Christina Hoynchs (Hönings) stand wohl in der Honiggasse, entstanden aus Höningsgasse.


Honiggasse

Im Brauweiler Feld

Der Straßenname war der frühere Flurname. In den 70er Jahren wurde dieses Gebiet z.T. bebaut.

Im Bruchfeldchen

Der Name war ursprünglich „Broichfeldchen“. Er war ein alter Flurname, der schon 1450 erwähnt wird. Dieses Gebiet gehörte früher zum Broichhof. Der untere Teil der Straße hieß übrigens bis zur Eingemeindung Finkenstraße

Im Dornenhau

Der Name „Im Dornenhau“ war ein Flurname.

Im Heuchen

Ein „Urglessener“ deutet den Namen folgendermaßen: Hier durften die Leute Holz für ihren eigenen Bedarf hauen. (heuchen – häuchen – hauen)

Im Kamp

Siehe Wyrichskamp

Im Selch

Dieser Name hat viele Bedeutungen durchlaufen: Im 15. Jahrhundert begegnet man im Kirchenarchiv dem Namen ´Salche`. Vermutlich hat hier ein Selhof gestanden. Ein Selhof war im Mittelalter ein freies Gut, das nicht als Lehen abgegeben wurde.

Auf den Karten bis etwa 1930 wird der Ortsteil Glessens westlich der heutigen Hohe Straße als „Im Sellig“, „Im Sellg“ oder „Im Selch“ angegeben. Auch heute noch wird dieser Ortteil im Sprachgebrauch Im Selch genannt. Später beschränkte man den Namen „Im Selch“ auf den Weg, der heute „Auf dem Steinengarten“ heißt.

Nach der Eingemeindung bekam die damalige „Waldstraße“, die Verlängerung der Hohe Straße bis zur L 91, den Namen „Im Selch“.

Im Sommerhausfeld

Sommerhausfeld ist ein alter Flurname. In den 70er Jahren wurde das Gebiet mit Einfamilienhäusern bebaut.

Im Tal

Bis zur 1. Flurbereinigung hieß dieser Ortsteil von Glessen „Im Dreck“. Unterhalb des Hauses mit dem Pferdekopf begann ein Sumpfgebiet. Der größte Teil dieses Gebietes gehörte dem Gartenbaubetrieb Hoven. Dort wurden Blumen gezüchtet, die mit dem Auto – Hovens besaßen als erste im Dorf ein Auto - zu den Hotels nach Köln gebracht wurden. Heute liegen rechts und links der Straße "Im Tal" kleine Grundstücke mit Einfamilienhäusern. Der starke Durchgangsverkehr vom Kreisel über die Hohe Straße in Richtung Fliesteden belästigt die Anwohner sehr.

In der Hüll

Vor der Eingemeindung hieß diese Straße „Büsdorfer Straße“. „Hüll“ kommt von Hohlweg. Man sieht der Straße heute noch an, dass sie ein Hohlweg war. Aber sie hat ihr Bild sehr verändert. Bis ca. 1930 war sie eine regelrechte Schlucht, die vom Selch aus steil anstieg. Rechts und links waren hohe Abhänge. Bei starken Regenfällen wirkte die Straße wie ein Bachbett, durch das die Wassermassen bis zum Broichhof hinunterschossen. Um 1935 wurden die "Berge" von Arbeitslosen zum Teil abgetragen und die Kreuzung Hüll/Winfriedstraße ca. zwei Meter tiefer gelegt. (Die Fortsetzung der Winfriedstraße zur Kirche hin erhielt damals ihre heutige Gestalt.) An das Transformatorenhäuschen, das auf der Ecke Hüll/Winfriedstraße stand, erinnern sich noch viele Glessener. In die Hänge der Hüll wurden später Häuser gebaut. Dadurch wirkt die Straße heute viel breiter. Die Abflachung der Hüll bedeutete eine große Erleichterung für Mensch und Tier. Der gesamte Verkehr nach Bergheim verlief ja damals durch die Hüll.

Kurt-Schumacher-Straße

Diese Straße im Gewerbegebiet existiert erst seit 1999. Sie wurde nach dem Politiker Kurt Schumacher genannt. Schumacher lebte von 1895 bis 1952. Seit 1918 war er Mitglied der SPD. Mit kurzen Unterbrechungen war er in der NS-Zeit in verschiedenen KZs inhaftiert. Im Mai 1945 wirkte er maßgebend an der Wiederbegründung der SPD mit und wurde 1946 deren Vorsitzender. Er bekannte sich zum Leitbild des demokratischen Sozialismus und war bei der Ausarbeitung des Grundgesetzes beteiligt.

Liebesallee

"Diesen Namen hat der Glessener Volkshumor einem 1911 - 1912 bei der Zusammenlegung (Flurbereinigung) neugeschaffenen breiten Waldwege gegeben, der vom roten Weg abzweigt und sich den Berg hinaufschlängelt zu dem Weg, der vom Sommerhaus zur Grube Fischbach führt." So schreibt Pfarrer Bertrams im Jahr 1916.

Um 1932 ist die Liebesallee gepflastert worden. Mit Bruchsteinen. Sie war so fest ausgebaut, dass man heute noch mit einem Panzer drüber fahren kann. Der Heuweg am Fuß der Kippe war die Fortsetzung der Liebesallee. Die Verbindung ging früher kerzengrade bis zur alten Reichsstraße B 259. Die hatte strategischen Wert. Da kam man oben vor Königsdorf und Ichendorf auf die alte Bundesstraße. Dort hatte man ein riesiges Munitionslager angelegt. Im März 45 lag immer noch viel Munition da oben.

Ludwig-Erhard-Straße

Diese Straße existiert seit 1999. Sie liegt auch im Gewerbegebiet. Benannt wurde sie nach Ludwig Erhard, der als Bundeswirtschaftsminister das Prinzip der Sozialen Marktwirtschaft durchsetzte. Der von ihm eingeleitete wirtschaftliche Aufschwung begründete seinen Ruf als Vater des Wirtschaftswunders. Ab 1963 war er Bundeskanzler.

Michel-Juris-Straße

Seit 1961 gehörte Michel Juris dem Gemeinderat Hüchelhoven an und wurde 1969 Bürgermeister dieser Gemeinde. Nach der kommunalen Neuordnung am 4. Mai 1975 wurde er Ortsvorsteher von Glessen. Er war von einer unermüdlichen Tatkraft und brachte viele Projekte in seinem Heimatdorf auf den Weg: die Neugestaltung des Friedhofes und den Bau einer großen Leichenhalle (1972 – 73); die Anlegung und die Gestaltung eines Dorfplatzes mit Springbrunnen; ab 1974 den Bau einer einzügigen Grundschule mit Mehrzweckhalle; ab 1975 den Bau eines städtischen Kindergartens; 1978/79 die Anlegung eines Bolzplatzes für die größeren Kinder; die Hochwassersicherung hinter dem Friedhof; die Sportanlagen und das Sportlerheim für den SC Schwarz Gelb und für den Reiterverein Glessen; den Bau eines Schützenhauses mit modernster Schießanlage. Er erhielt das Bundesverdienstkreuz. Er starb im Jahr 1990.


Michel-Juris-Straße (2000)

Pankratiusstraße

Bis zur Eingemeindung war die Straße zweigeteilt. Die Teile hießen St. Pankratius- und Hubertusstraße. Der hl. Pankratius ist der Pfarrpatron der hiesigen Kirche. Er war ein römischer Märtyrer. Der Legende nach starb er um das Jahr 305 in der Christenverfolgung des Kaisers Diokletian. Er ist einer der Eisheiligen und gehört zu den 14 Nothelfern.

In der Pfarrkirche steht eine große Figur des hl. Pankratius über dem Tabernakel des Hochaltars. Und im linken Chorfenster werden drei Bilder aus dem Leben des hl. Pankratius gezeigt. An der Pankratiusstraße ist in den 60er und 70er Jahren gleichzeitig mit den Häusern an der Winfriedstraße die dritte Siedlung in Glessen entstanden. Das Land dort gehörte hauptsächlich der Gemeinde.

Pfarrer-Tirtey-Straße

Pfarrer Tirtey war von 1942 bis zum Jahr 1952 Pastor in Glessen. Nach dem Krieg wurde er von den Amerikanern als Bürgermeister der Gemeinde Hüchelhoven eingesetzt. Er baute im Dorf eine sehr aktive Jugendarbeit auf. In seiner Zeit entstand das Jugendheim.

Rochusstraße

Der hl. Rochus ist der zweite Patron der Pfarrkirche. Ein Legende erzählt, dass er sich nach einer Pilgerreise nach Rom (1317) der Pflege von Pestkranken gewidmet hat. Er erkrankte dabei selbst und wurde auf wundersame Weise geheilt. Er wird meist als ein Pilger dargestellt, der auf seine Pestbeulen hinweist. Rochus ist in der Kirche mehrfach dargestellt: Am zweiten Triumphbogen im Chor der Pfarrkirche steht er auf einem Sockel. (Die kleine Figur stand ursprünglich in der Kirche des Klosters Bethlehem gestanden, das im Zuge des Braunkohleabbaus abgerissen wurde.) Im rechten Chorfenster werden zwei Szenen aus seinem Leben gezeigt. Ihm ist auch ein Seitenaltar gewidmet.

Sintherner Holzweg

Dieser Weg war der Transportweg für die Holzfuhren aus den Wäldern der Ville nach Sinthern und Pulheim.

Sommerhaus



Aussicht Sommerhaus (Postkarte 1930)

Jeder Neuglessener ist erstaunt über diesen Namen. Woher er kommt, ist nicht bekannt.

Simons versuchte eine Deutung: „Der Name Sommerhaus erklärt sich wohl daraus, dass von alters her die Bürgerschaft an schönen Tagen in dem ehemals herrlichen Buchenwald und von da in den ausgedehnten Waldungen der Ville spazieren ging und geht.

Auf einer Karte von 1682 wird das Wort „Sommershaus“ einem hoch gelegenen Gehöft zugeordnet.


Ausschnitt aus der Hochsteinkarte

„Bis Ende der 60er Jahre war die Straße noch nicht befestigt. Hier war nur ein steiler Feldweg, an dem fünf Häuschen standen. Wenn es geregnet hatte, liefen wir bis an die Knöchel durch den Dreck. Der Kies wurde abgeschwemmt, und die ausgefahrenen Furchen wurden noch tiefer.“

Heute ist die schmale Straße die Hauptverbindung von dem Tal der L 91 hinauf zur „Vimischhöhe“, wie alte Glessener dieses Wohngebiet auf der Höhe nennen.

Von-Nell-Breuning-Straße

Diese Straße existiert erst seit 1999. Sie führt ins Gewerbegebiet. Sie wurde nach dem bedeutenden Volkswirt und Sozialpolitiker Nell-Breuning genannt, der an der Jesuitenhochschule St. Georgen in Frankfurt lehrte. Bei Arbeitgebern und Arbeitnehmern, bei Gewerkschaften und Parteien, genoss er aufgrund seiner fachlichen Kompetenz und seiner Unbestechlichkeit hohes Ansehen. Sein Denken und Mühen galt der Lösung der „sozialen Frage“. Dabei ging es ihm u.a. um gerechte Löhne, um menschenwürdige Arbeitsbedingungen und um die Verteilung des volkswirtschaftlichen Ertrages und die Vermögensbildung in Arbeitnehmerhand. Den Aufbau des modernen Sozialstaates begleitete er durch eine Vielzahl von Veröffentlichungen zu grundsätzlichen und aktuellen Ordnungsproblemen in Wirtschaft und Gesellschaft. Er starb 1981 im Alter von 101 Jahren.

Weinbergstraße

„Der Weingartsberg... hält die Erinnerung an die zahlreichen Weingärten wach, die den Glessenern vormals reichen Ertrag gebracht haben mögen, ehe sie Anno 1794 durch das französische Revolutionsheer verwüstet worden sind. Die Soldaten der Republik haben damals Weinstöcke und Pfähle kurzerhand an ihren Lagerfeuern verbrannt, und somit dem Weinbau ein gewaltsames Ende bereitet, welcher die Glessener bisher instand gesetzt hatte, ihre Pachten in der von den Klöstern von altersher beliebten Weise in Wein ... und Wachs zu entrichten.“

Der „Wengelsberg“ wird heute auch noch Hoppengarten (Hopfengarten) genannt. Hier wurde bis nach dem ersten Weltkrieg Hopfen gezogen, der an Kölner Brauereien verkauft wurde.

Wierichskamp

Dieses Gelände gehörte zum „Wyrichshof“ (oder Wynrichshof) Die Hofgebäude lagen auf dem Grundstück zwischen der ehemaligen Wirtschaft Schotten und dem Haus Sauer. Der Hof war vom 16. Jahrhundert bis zum Jahr 1720 Eigentum der Familie von Mirbach und war ein ritterliches Lehnsgut. Es umfasste 160 Morgen Ackerland und 24 MorgenWald. Im Jahre 1720 kaufte der Pastor von Neuenhausen, Curtius, das Gut für 6.000 Reichsthaler. Nach seinem Tod sollte sein Vermögen teils an verschiedene Klöster fallen, teils sollte es als Studienbeihilfen für bedürftige Studenten verwandt werden. Erst, wenn seinem Wunsche nicht entsprochen werden könnte, sollte seine Familie erben. Als Napoleon das Rheinland besetzte, konfiszierte er auch den Wyrichshof und schenkte ihn seinem Marschall de Wagram (1812). Die Klöster und Studenten gingen leer aus. 1817 übernahm Preußen die Liegenschaften der Franzosen im Rheinland, und die Erben (insgesamt 12!) des Pastors Curtius, die Familie Froitzheim, stellte ihre Ansprüche. Es entspann sich ein Streit zwischen der Regierung und den Erben. Alle Anstrengungen der Familie waren jedoch erfolglos. Die letzte Entscheidung von König Friedrich Wilhelm IV. lautete: „Es unterliegt keinem Zweifel, dass Sie die rechtmäßigen Erben sind. Weisen Sie nur nach, dass Sie die alleinigen sind.“

Der Hof blieb beim Staat. Die Gebäude verfielen und wurden abgerissen. Die Ländereien wurden zunächst an verschiedene Bürger in Erbpacht gegeben und später verkauft. Z.B. 1916 an die Familie Schult-Conzen.


Wierichskamp mit neuer Schule und Im Kamp (1988)

Hier an der schmalen Straße wurde die neue Schule gebaut. Gegenüber entstanden auf kleinsten Grundstücken Einfamilienhäuser.

Winfriedstraße

„Alte“ Glessener sind sich einig, dass die Idee, die Straße nach dem hl. Winfried (Bonifatius) zu nennen, von Pfarrer Tirtey kommt. Viele Grundstücke an der Winfriedstraße, die zur Zeit der Namensänderung bebaut wurden, gehörten damals der Kirche.

Früher hat die Straße "Ackersweg", und danach "Oberaußemer Straße" geheißen. Nach Oberaußem ging man ja hier oben her. Die steile Hüll rauf und dann diese Straße. Päffgen hatte einen Schneepflug aus Holz und wenn hier Schneeverwehungen waren, manchmal bis 2m hoch, so dass keiner mehr durchkam, hab ich damit die Straße geräumt. Das hab ich gemacht, bis unten die L 91 fertig war. Das ganze Gebiet hieß früher "Am Steenengarten". Die ganze Ecke hier ist ja ziemlich steinig. An der Winfriedstraße war alles steinig, auch da, wo die Wiese ist, ist alles steinig. In den Gärten ist viel Mutterboden angekippt worden. Da drunter aber ist überall der rote Himmelflut. Den roten Kies nennt man ja "rote Himmelflut". Da war hinten noch eine Kiesgrube vom Prang. Prang an der Apotheke. Der hat immer mit Pferden den Kies rausgeholt und die Leute, die bauen wollten, damit beliefert. Als die L 91 gebaut wurde, hat man hier eine neue Kiesgrube aufgemacht.Der Kies wurde gebraucht als Füllstoff für die neue Straße. Da brauchten die nicht so weit zu fahren. Da war dann ein riesiges Loch. Später war da eine Müllkippe. Da sind ganze Autos reingekippt worden. Der Makler hat die Fläche gekauft und hat da die Häuser drauf gesetzt.

Ziegelstraße

Hier war die Ziegelei des Landwirtes Conzen. Unter dem Haus Nr. 3 ist man beim Ausschachten auf die Reste des Ziegelofens gestoßen. In der Ziegelstraße wurde in den 50er Jahren die erste Glessener Siedlung gebaut. Sie war hauptsächlich für die Flüchtlinge bestimmt.

Zum Glessener Bach

Der Bach entspringt im Naturschutzgebiet hinter dem Gut Neuhof.

Über 30 Quellen hat man dort gezählt. Der Glessener Bach ist fast zwei Kilometer lang. 221 m hat man verrohrt. Es gibt vier Durchlässe und sechs Brücken. Von der Liebesallee bis zur Straße Im Heuchen darf er sich frei durch die Wiesen bewegen. Der Pulheimer Bachverband gibt ihm 1986 folgende Bewertung: ausreichender Unterhaltungszustand, streckenweise naturnah, z.T. sehr naturfern. Er wird auch Pulheimer Bach genannt. Nach ca. acht Kilometern versickert der Bach in der ehemaligen Versickerungsanlage der Großen und Kleinen Laache in Pulheim vollständig in den Untergrund.

Zum Gut Neuhof

Bis 2003 hieß diese Straße schlicht „L91“. Im Zusammenhang mit der zweiten Flurbereinigung (1965 - 1967) war sie gebaut worden. Damals konnten die nötigen Grundstücke von verschiedenen Bauern noch ohne Schwierigkeiten gekauft werden. Einige Häuschen und eine Scheune wurden abgerissen, viele Gärten verschwanden. Der störende Bachteil wurde zum Teil verrohrt. Rigoros schüttete man den Grund im Kreuzungsbereich Brauweilerstraße/ Sommerhaus um mehr als zwei Meter auf und verfestigte ihn. Wie stark die Veränderung war, sieht man an dem Haus Brauweilerstraße 3. Der Eingang war vor 1960 auf gleicher Höhe mit der Straße!


Fotoalbum der Familie Fischer, 1956 , Haus, Brauweiler Str. 3, vor der Aufschüttung

Die Aufschüttung geht über das Gebiet der heutigen Feuerwehr hinaus. Sie verdeckt den „Rude Wääch“, den Roten Weg. Der Broichhof bekam dadurch eine künstliche „Tieflage“. Der Rote Weg, der im Gedächtnis der alten Glessener noch gut existiert, hatte seinen Namen von dem Schutt der Ziegelei von Conzen, mit dem er regelmäßig ausgebessert wurde. Ein sehr schlechter Weg wäre er gewesen. Die Wagenräder hätten tiefe Furchen gezogen. Meistens wäre er verschlammt gewesen, denn der Glessener Bach verlief fast auf gleicher Ebene. Nur bei trockenem Wetter hätte man ihn befahren können. Er ging bis nach Oberaußem.

Die L91, von Dansweiler kommend, verbindet Glessen direkt mit Oberaußem. Als in jüngster Zeit einige Häuser an der L91 im Bereich der Kreuzung L213/L91 Richtung Oberaußem bis zum Glessener Bach gebaut wurden, hat man das Straßenstück vom Kreuzungsbereich bis zur Straße Im Heuchen den Namen „Zum Gut Neuhof“ gegeben.


Torhaus Gut Neuhof



Gerda Korth, Ausschnitt aus einem unveröffentlichen Manuskript.

Die Angaben zu diesem Kapitel stammen von Berichten Glessener Bürgerinnen und Bürger sowie aus folgenden Veröffentlichungen:

Braschoß, Heinz, Aspekte der Geschichte von Glessen, in Geschichte in Bergheim, Jahrbuch des Bergheimer Geschichtsvereins e.V., Band 12, 2003
Braschoss, Heinz, Windmühlen im nordwestlichen Kölner Umland. in Pulh. Beiträge Bd. 6, 1982
Bredehöft, Hermann, Ein Spiegelbild der Landschaft: Glessen, in Kölnische Rundschau, Oktober 1950
Brockhaus
Büchel, K.W., D´r Zoch kütt.. Glessen 2000
Holtz, Erna, Zehns Erna, Erinnerungen einer Rheinischen Bäuerin, Elsdorf, 1997
Frank Kretschmar, Verlust einer Denkmal-Landschaft, Rheinland-Verlag, 1991
Meller, Maria, Unveröffentliches Manuskript: Der Mellerhof in Glessen, 1978
Schreiner, Peter, Die Geschichte der Abtei Brauweiler bei Köln, 1024 - 1802, Pulheim 2001
Simons, C. Bürgermeister a.D., Historische Wanderungen zwischen Erft und Rhein, Overath 1925

Einen besonderen Dank auch an Stefan Schmitz, Glessen, für Fotos und alte Postkarten. Weitere Hinweise und Anregungen sind immer stets willkommen.


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