Kurt Wilhelm Büchel, Glessen

Überraschungen

Es gibt im Leben Überraschungen, über die man sich freut, aber auch solche, auf die man dankend verzichten könnte.

So auch vor 50 Jahren, als unsere Glessener Bevölkerung eine sehr ärgerliche Überraschung erlebte, die vielen Menschen große Sorgen bereitete, und die auch noch mehrfach auftrat: Überschwemmungen!

Im Sommer 1958 schrieb der Kölner Stadt-Anzeiger: "Bleibt die Kippe ein Verhängnis?"

Was war geschehen? Das große Glessener Waldgebiet war in den vergangenen Jahren abgeholzt worden. Der Wald, der in der Lage war, erhebliche Wassermengen zu speichern und der den Glessenern einen natürlichen Hochwasserschutz bot, existierte nicht mehr. Eine riesige Abraumkippe, die über eine Wasserscheide verläuft, veränderte das frühere Quellsystem in diesem Gebiet. Der Abfluß Richtung Westen wurde versperrt, in den tiefergelegenen Teilen von Glessen entstanden dadurch teilweise neue Quellgebiete. Bei stärkerem Regen liefen die Abwässer von der 35 m hohen Abraumkippe, auf der 18 Millionen Kubikmeter Löß aufgebracht worden waren, ungehindert nach Glessen!

Dies war für Glessen nicht folgenlos, wie der KStA vom 7.8.1958 berichtete. So standen in den letzten zwei Jahren ein Drittel der Keller von Glessen bis zu 1,50 m unter Wasser. In den tiefergelegenen Parzellen staute sich das Wasser, so daß etwa zehn Morgen landwirtschaftlich genutzter ertragreicher Flächen teilweise nicht mehr zu bearbeiten waren. "Ferner drohten sechshundert Morgen landwirtschaftliche genutzte Flächen im Raum der Kippe zu versumpfen." Es hatten sich schon drei stehende Gewässer auf den betroffenen Parzellen gebildet.

Unsere Freiwillige Feuerwehr bekam in diesen Jahren viel zu tun. Sie half den geschädigten Bewohnern immer wieder, ihre Häuser leer zu pumpen. Da die Feuchtigkeit in den Wänden hochzog, mußte in einigen Häusern die erste Etage mitten im Sommer beheizt werden. Nur so konnten manche Glessener sich selbst und die Inneneinrichtung ihrer Wohnungen vor der Feuchtigkeit schützen.

Die Empörung über die Rheinische Aktiengesellschaft für Braunkohlen- und Brikettfabrikation war zur damaligen Zeit sehr groß, da viele Glessener der Meinung waren, die RAG handele nicht schnell genug, um eine weitere Schädigung von Hauseigentümern und betroffenen landwirtschaftlichen Betrieben zukünftig auszuschließen.

Eine freudige Überraschung erlebte vor 50 Jahren das diesjährige Glessener Goldhochzeitspaar Maria Christine und Heinrich Rennerich. In dem Jahr 1958 war der Mandolinenklub "Wandertreu" in unserem Ort ins Leben gerufen worden, dessen junge Mitglieder sich Sonntag für Sonntag zum Musizieren trafen. Heinrich Rennerich war ihr Vorsitzender. Anläßlich seiner Hochzeit überraschten ihn die Klubmitglieder:
"In Reih und Glied standen die Mandolinenspieler am Haus des Bräutigams und weckten ihn mit einem zünftigen Ständchen. Kaspar Fabricius überreichte im Auftrag des Mandolinenklubs das Brautgeschenk."

Am 06. November 2008 teilte Michael Broetje auf der Sitzung der Glessener Dorfgemeinschaft den Anwesenden freudestrahlend mit, daß karnevalsbegeisterte Glessener die Karnevalsgesellschaft "Huddel und Brassel e. V." gegründet hätten. Dies ist gewiß eine besondere Überraschung!

Der Dorfgemeinschaft Glessen, der Interessengemeinschaft Glessener Karneval und allen Aktiven danke ich herzlich für ihr Engagement.

Ich wünsche allen Glessenern herrliche Sitzungen mit viel Spaß an der Freud und einen schönen Karnevalsumzug!

Glessen Alaaf!

Ihr Ortsvorsteher

Kurt Wilhelm Büchel


D'r Zoch kütt .., Glessen 2009, S. 12 f.
Interessengemeinschaft Glessener Karneval

Die Entstehung der Karnevalsgesellschaft "Glessen Bessem" - 1947


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