Gerda Korth, Glessen

Glessener Geschichtszahlen
(Ausschnitt, mit Ergänzungen zur Zeitgeschichte im Kleindruck durch die Redaktion):

1797 Frieden von Campo-Formio: Das linke Rheinufer muss an Frankreich abgetreten werden. Glessen wird französisch.

1798 Die Verwaltungsorganisation wird umgebaut: das linksrheinische Gebiet wird in vier Departements eingeteilt. Unser Dorf kommt zum Departement (Provinz) der Roer mit der Hauptstadt Aachen, gehört jetzt zum Arrondissement Köln, zum Canton und Gerichtsbezirk Bergheimerdorf. Die unterste Verwaltungseinheit ist die „Mairie", die Bürgermeisterei Hüchelhoven. (s. 1801!)

1799 Von der französischen Verwaltung wird die erste Einwohnerliste Glessens aufgestellt. Sie ist in französischer Sprache wird erzählt. 486 Glessener leben in 114 Haushalten. Zumeist sind es Tagelöhner und Bauern. Es gibt hier eine überraschend große Anzahl von Handwerkern, wie zum Beispiel Bierbrauer, Fassbinder, Hufschmiede, Schlosser, Schneider, Wagenbauer, Weber und Zimmerleute. Einige Glessener sind Fuhrleute. Besonders auffallend ist der Beruf des Besenbinders. Noch in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts ist das eine Beschäftigung vieler Einwohner des Dorfes. Sie binden aus Birkenreisern Besen und verkaufen sie. Daraus leitet sich auch der Spottname für die Glessener ab: „Bessemskriemer", d.h. Besenverkäufer.

1799 Die letzten drei Jahre haben kaum Ernten gebracht. Sie sind zum Teil durch Unwetter, lang andauerndem Regen und Dürre vernichtet worden. Den Rest haben die Mäuse gefressen. Im Dorf herrscht Hungersnot. Pfarrer Berg berichtet in der Pfarrchronik: Die Abtei Brauweiler gewährt den armen Bewohnern Glessens Nahrung. In dem Kloster wird wöchentlich dreimal und zwar Montags, Donnerstags und Samstags Brot, Fleisch und Gemüse unter die Armen ausgeteilt und „jedem sein Topf, den er bei sich trägt, angefüllt." Auch wird in jedem Quartal einmal Schwarzbrot unter die Dürftigen verteilt und jährlich am Gründonnerstag erhält jeder Arme Weißbrot und einen Krug Bier. „Das Futter fürs Vieh verschaffen in den vorigen Zeiten dem unvermögenden Teile der Einwohner die Waldungen. Es ist ihnen nämlich erlaubt, das Vieh im Walde zu weiden, Laub, Gras und Heide aus demselben zu holen, was ihnen nun untersagt ist."

1801 Napoleon schließt ein Konkordat mit Pius VII. Die Kirchenorganisation wird der staatlichen Verwaltung angeglichen. Aachen wird das zuständige Bistum für Glessen.

1801, 21. 04. Die Glessener Kirche St. Pankratius wird zur Pfarrkirche erhoben. Der erste Pfarrer ist Johann Schwan. Er erhält von den Franzosen ein Staatsgehalt und ist damit finanziell viel besser gestellt als alle seine Vorgänger. Drückend ist jedoch die staatliche Bevormundung, der die Kirche untersteht.

1801 ist das Geburtsjahr der Bürgermeisterei Hüchelhoven. Sie besteht aus fünf Dörfern: Hüchelhoven, Rheidt, Büsdorf, Fliesteden und Glessen. Der erste Bürgermeister ist Vincenz Krosch aus Rheidt.
Glessen hat zwar in der Bürgermeisterei die meisten Einwohner, verfügt aber im Vergleich zu den anderen Dörfern über nur wenig Land. Es gilt als der ärmere Teilhaber in der Gemeinde. (Die Bürgermeisterei Hüchelhoven besteht bis 1937 fort und dann bis Ende 1974 noch als amtsangehörige Gemeinde im Amt Bergheim.)
Seit Bestehen der Bürgermeistereiverfassung wechselt der Sitz des Bürgermeisteramtes stets mit dem jeweiligen Stelleninhaber. Erst unter Bürgermeister Commer wird ein festes Büro in Büsdorf eingerichtet, wo ab 1801 das Geburts-, Heirats- und Sterberegister geführt wird.

1802 Konsularbeschluss: Die meisten Klöster des Rheinlandes werden aufgehoben. Damit ist auch das Ende des Klosters Brauweiler nach seinem fast 800jährigen Bestehen gekommen. Der Königsdorfer Wald ist seitdem Staatsforst. Die Höfe und Grundstücke der Klöster werden vom Staat meistbietend verkauft. Viele Bauern, die vorher Pächter gewesen sind, werden nun Eigentümer ihrer Höfe. So hat z.B. das Kloster St. Johann und Cordula in Köln vor der Säkularisation in Glessen 26 ha Land. Sie werden am 20. Januar 1807 an A. Schult und Peter Neunzig aus Glessen verkauft. 2,2 ha Land des Klosters „Im Lämmchen“ wechseln schon am 24. Juli 1805 den Eigentümer. Die 26 ha große Parzelle des Klosters Brauweiler in Glessen wird am 20. Juli 1807 an Jakob Tops aus Verviers (Belgien) veräußert.

1804 Der Code civile (Bürgergesetzbuch) wird eingeführt. Der Zehnt wird aufgehoben, aber gleichzeitig werden hohe Steuern auf Zucker und Salz u.a. erhoben. Der Handel mit England wird verboten. Es darf nur noch Papiergeld benutzt werden. Die allgemeine Wehrpflicht wird eingeführt, die bis dahin – abgesehen von einem Aufgebot zur Bürgerwehr – unbekannt war. Junge Leute aus Glessen werden Soldaten für Napoleon.

1805 bis 1810 wird die Tranchotkarte gezeichnet, die über die damaligen Verteilungen von Bebauung, Wald, Felder, Straßen hier in Glessen und im ganzen Rheinland genauestens Auskunft gibt.

(Unter dem französischen Oberst Jean Joseph Tranchot fand diese topographische Aufnahme im Rheinland statt. Die Karte wurde in den Jahren 1816-1820 unter Leitung des preußischen Generalmajors Friedrich Karl Ferdinand Freiherr von Müffling fortgeführt und 1826-1828 durch weitere Ergänzungsblätter ergänzt. Die Originale befinden sich in der Staatsbibliothek Berlin / Stiftung Preußischer Kulturbesitz. Reproduktionen dieser Karten sind beim Landesvermessungsamt NRW erhältlich.)

1808 Die Franzosen lösen die vielen örtlichen Gerichte mit ihrem Gewohnheitsrecht und den Weistümern auf. In Bergheim wird ein Friedensrichter als unterste Instanz eingesetzt. Aus diesem Friedensgericht geht später das Amtsgericht hervor. Die Leibeigenschaft wird abgeschafft.

1809 In allen Pfarreien werden Kirchenräte eingerichtet.

1810 Karl von Braunfeld vom Neuhof wird Bürgermeister der Bürgermeisterei von Hüchelhoven.

1814 Nach der Schlacht bei Leipzig räumt die besiegte französische Armee das linksrheinische Gebiet. Nach dem Wiener Kongress (1815) wird das Rheinland preußisch.

1815 Mit der Proklamation vom 5. April 1815 nahm König Friedrich Wilhelm III. Besitz von den ihm auf dem Wiener Kongreß zugesprochenen Gebieten. Nach 1815 wurden das Rheinland und Westfalen einer völligen administrative Neugestaltung unterzogen. Bis 1822 bildeten sich 5 Regierungsbezirke heraus: Düsseldorf, Aachen, Köln, Münster und Arnsberg.

1816 Glessen hat jetzt 808 Einwohner. 155 Kinder sind schulpflichtig.

1817 In Glessen bricht die Ruhrkrankheit aus. 20 Einwohner sterben.

1819 beantragen die Bewohner von Glessen bei dem Schulvorstand den Bau einer neuen Dorfschule. Das wird abgelehnt: „Glessen hat eine große Zahl von Tagelöhnern. Sie werden den nach dem Gesetz erforderlichen Raum für 156 Kinder nicht finanzieren können“.

1821 Die Pfarrei St. Pankratius von Glessen kommt zum wiederhergestellten Bistum Köln.

1825 Mathias Anton Berg wird der neue Pastor. Er bleibt bis zu seinem Tode 1871 im Ort.

1825 Die preußische Regierung führt die allgemeine Schulpflicht ein. Es dauert aber eine geraume Zeit, bis diese wirklich zum festen Bestandteil der „Glessener Ordnung" wird. „...Im Winter besuchen fast alle Kinder den Unterricht, im Sommer müssen aber viele Jungen und Mädchen als ´Schweinsjungen` oder ´Hütemädchen` das Vieh im Wald und auf den Weiden beaufsichtigen." Die Schulaufsicht liegt beim Pfarrer der Gemeinde.

1828 leben hier 800 Einwohner, davon sind 16 jüdisch und 6 evangelisch.

1826 Ein neues Schulgebäude in Lehm und Holz wird gebaut. Es hat ein Schulzimmer, 36 Rheinländer Fuß lang, 28 Rheinländer Fuß breit, 10 Rheinländer Fuß hoch. Daneben eine Lehrerwohnung mit 4 Zimmern und einem Speicher. (1 Fuß ca. 30 cm)

1830 In der Wohnung des Tagelöhners Christian Esser bricht ein Feuer aus. In Glessen brennen sieben Häuser und zwei Scheunen ab.

1835 Der Neuhof wird an Friedrich Päffgen vom Fronhof in Büsdorf für 8.600 Taler verkauft. In den folgenden Jahren kaufte dieser die übrigen Liegenschaften des Hofs hinzu.

1840, (auch 1850) Einige Glessener wandern nach Amerika aus. (Stat. Darstellung des Kreises Bergheim) Bei einem Umzug zu Ehren der Auswanderer werden Lieder zu diesem Thema gesungen, z.B. : „In Amerika sitzen wir in einem Schaukelstuhl...“

1841 Die Bahnlinie Köln-Aachen mit einer Station in Groß-Königsdorf ist gebaut, Glessen rückt näher an die Stadt Köln heran.

1843 ist die Zahl der Einwohner auf 875 gestiegen. Sie leben in 163 Haushalten.

1845 Die Rheinische Gemeindeordnung wird in der Preußischen Gesetzessammlung veröffentlicht. Ihr Grundzug ist die starke Stellung des Bürgermeisters als Verwaltungschef, Polizeibehörde und Vorsitzender der Bürgermeisterversammlung. Der Bürgermeister wird auf Vorschlag des Kreises von der Regierung auf Lebenszeit ernannt. Die Rheinische Gemeindeordnung führt die Wahl der Gemeindevertreter ein. Das Wahlrecht steht aber nur Männern zu, die mindestens 24 Jahre alt und seit einem Jahr in der Bürgermeisterei ansässig sind. Weitere Voraussetzungen sind das Eigentum an einem Wohnhaus oder die Zahlung von drei Talern Klassensteuer (einer Art Einkommenssteuer).
Die Ratsmitglieder werden nach dem Dreiklassenwahlrecht gewählt. Außer den gewählten Ratsherren gehören den Bürgermeistereiversammlungen noch die „Meistbegüterten" an, Personen, die mehr als 50 Taler Grundsteuer im Jahr zahlen; dazu gehören die meisten „großen" Landwirte Glessens.

Für die Integration des Rheinlandes in Preußen nach 1815 waren diese französischen Einflüsse ein schweres Erbe. Die Beibehaltung des auf dem "Code Napoleon" beruhenden Rechtssystems und die Gewährung einer eigenen rheinischen Gemeindeordnung waren die wichtigsten Zugeständnisse an den rheinischen Regionalismus. Die Rheinische Gemeindeordnung behielt weitgehend den französischen Charakter bei, indem sie eine Bürgermeisterverfassung war und weniger eine Magistratsverfassung im Sinne der Steinschen Reformen (Karl Reichsfreiherr vom und zum Stein, geboren 1757 in Nassau/Lahn, gestorben 1831), die erst 5 Jahre später, am 11. Mai 1850, in der Gemeindeordnung für den gesamten preußischen Staat verwirklicht wurde. Jetzt wurde der Bürgermeister nicht mehr wie bisher von der Regierung ernannt, sondern von der Gemeinde gewählt. Auch erhielt die Gemeinde insgesamt eine größere Selbstverwaltung, sie war nicht mehr nur staatliche Verwaltungskörperschaft.
Die Landgemeindeordnung des Jahres 1856 brachte für die rheinischen Gemeinden einen Rückschritt zur Verfassung des Jahres 1845. Vor allem wurde jetzt im Rheinland ein Unterschied zwischen Stadt- und Landgemeinden gemacht, was im übrigen Preußen selbstverständlich war, bei uns aber seit der Franzosenzeit mit Erfolg abgewehrt worden war. Diese dem Rheinland völlig fremde Zweiteilung wurde erst 1887 in der Kreisordnung aufgegeben.
Nach einer Verbesserung der Gemeindeverfassungen vom 27. Dezember 1927 ging schließlich 1933 die Sonderentwicklung der rheinischen Gemeinden zu Ende, als am 15. Dezember das Gemeindeverfassungs- und Gemeindefinanzgesetz eine einheitliche Regelung für das gesamte Reich verfügte.

1845 Josef Leopold Schult aus Glessen wird Bürgermeister der Bürgermeisterei Hüchelhoven.

1847 ist eine große Teuerung. Ein Malter Korn kostet 50 Taler. (1 Taler = ca. 3 Mark)

1848 In Preußen löst Friedrich Wilhelm IV. die Nationalversammlung auf und gibt aus eigener Machtvollkommenheit eine Verfassung für Preußen (5. Dezember 1848). Sie ist bis 1918 in Kraft. Die Gesetzgebung liegt beim König und einem aus zwei Häusern bestehenden Parlament. Die Mitglieder des Abgeordnetenhauses werden von den Männern nach den Grundsätzen des Dreiklassenwahlrechts gewählt. Bergheim bildet mit Köln-Land und Euskirchen einen Wahlkreis.Kölner Barrikaden

Als Märzrevolution (auch: Deutsche Revolution) werden die revolutionären Ereignisse bezeichnet, die zwischen März 1848 und Spätsommer 1849 die Staaten des Deutschen Bundes und die zu Preußen und Österreich gehörenden Gebiete außerhalb des Bundes erfassten. Sie waren Teil der bürgerlich-demokratischen und nationalen Erhebungen, die damals, beginnend mit der französischen Februarrevolution in weiten Teilen Mitteleuropas ausgelöst wurden.
Am 5. Dezember 1848 ließ der König die preußische Nationalversammlung auflösen und oktroyierte selbst eine Verfassung, die weit unter den Forderungen der Märzrevolution blieb. Die Machtposition des Königs blieb dabei unangetastet. Dieser behielt sich das Vetorecht gegen alle Beschlüsse des preußischen Landtags vor, sowie das Recht, das Parlament jederzeit auflösen zu können. Das Staatsministerium (die preußische Regierung) war nicht dem Parlament, sondern nur dem König gegenüber rechenschaftspflichtig. Dennoch enthielt die oktroyierte Verfassung zunächst noch einige liberale Zugeständnisse, die allerdings in den Folgemonaten modifiziert wurden. Ende Mai 1849 wurde die Nationalversammlung durch das preußische Abgeordnetenhaus (zweite Kammer) ersetzt. Es wurde ein Dreiklassenwahlrecht eingeführt, um die Vorherrschaft der Besitzenden zu sichern.
Dieses im Grunde undemokratische Wahlrecht blieb in Preußen bis 1918 in Kraft. Bis Juli 1849 wurde der erste Versuch, einen demokratisch verfassten, einheitlichen deutschen Nationalstaat zu schaffen, von überwiegend preußischen und österreichischen Truppen gewaltsam niedergeschlagen.

1850 (ca.) Pfarrer Bertrams erzählt in der Kirchenchronik „Viele Leute ernährten sich armselig durch Besenbinden. Die Birkenreiser wurden vielfach dazu gestohlen. Oft konnte man 15 – 20 Leute hintereinander in den Wald gehen sehen, um Birkenreiser zum Besenmachen zu holen. Erst seit 1870 haben sich diese Glessener allmählich bei vermehrter Arbeitsgelegenheit lohnenderen Beschäftigungen zugewandt. In diesem Zusammenhang sei auch angeführt, dass gar mancher Glessener auch im 19. Jahrhundert bis um 1860 herum vom Transport des hier massenhaft vorkommendem weißen Sandes leben mussten.“... „Zu Glessen gibt es eine Wirtschaft ´Zum Esel` (Schotten), dort wurden die Esel aufgestellt, welche Sand in Säcken nach Köln transportierten. Auch brachte bis 1862 ein Fuhrwerk wöchentlich zweimal Sand nach Siegburg zur Geschoßfabrik" (zur Herstellung von Schießpulver).

1860 Der St. Sebastianus Schützenverein wird gegründet. Er hat zu Beginn 150 Mitglieder. „Feste feiern versteht Glessen wie kein anderer Ort" (Pfarrer Bertrams).

1861 Bei der Wahl zum preußischen Abgeordnetenhaus vom 19. November 1861 sind im Kreis Bergheim 7.212 Männer wahlberechtigt, aber nur 629 geben ihre Stimme ab. Abgeordneter ist lange Zeit der Notar Daniels aus Bergheim, später der Landwirt Schult aus Glessen.

1861 Nach der Zählung der Gemeinde Hüchelhoven sind in Glessen 1017 Einwohner und 808 Knechte und Mägde, die nur vorübergehend anwesend sind. Sie leben in 144 Familien. Es gibt 33 Ackerleute (Landwirte), 31 Professionelle (Handwerker), 14 Kleinhändler und 66 Tagelöhner. Es gibt drei öffentliche Gebäude und 442 Privatgebäude.

1861 Ein zweiter Lehrer wird eingestellt.

1862 Der Sohn von Friedrich Päffgen, Gottfried, heiratet Catharina Contzen. Das Paar zieht auf das Glessener Gut Neuhof. Zuvor war 1856 anstelle des älteren Fachwerkgebäudes das große Wohnhaus in Backstein errichtet worden.

1863 Der Allgemeine Deutsche Arbeiterverein (ADAV) wird am 23. Mai 1863 in Leipzig gegründet und gilt als Geburtsjahr der deutschen Sozialdemokratie.

1863/65 wird die mittelalterliche Kirche (schon 1753 als reparaturbedürftig ausgewiesen) abgerissen und durch eine neugotische ersetzt. Pastor war damals Matthias Berg, aber gebaut hat die Kirche hauptsächlich Leopold Schult, der Kirchenrendant, der gleichzeitig Gutsbesitzer auf dem Sophienhof, Bürgermeister der Bürgermeisterei Hüchelhoven, Vorstandsmitglied der neu gegründeten Spar- und Darlehnskasse für den Kreis Bergheim und Mitglied des preußischen Abgeordnetenhaus war.

1867 In Bergheim wird eine Telegraphenstation errichtet.

1867 Der Kirchturm verliert durch einen Sturm seine vier Ecktürmchen.

1867 Die Glessener Schule wird zweiklassig, eine Klasse für die Mädchen, eine Klasse für die Jungen.

1868 In Glessen vernichtet eine große Feuersbrunst acht Wohnhäuser und 11 Scheunen. Ein Einwohner, Simons, kommt dabei um.

1870 Die Zentrumspartei wird gegründet. In ihr sammeln sich vornehmlich katholische Bürger, um die Freiheit der Kirche, die Eigenständigkeit der Länder und den sozialen Ausgleich zwischen den Ständen zu vertreten. (Bei der Wahl 1893 wählt man in Glessen mit 72 % das Zentrum.)

1870 Die Affäre um die so genannte Emser Depesche löst im Sommer 1870 den deutsch-französischen Krieg 1870/71 aus.

1870 50 Glessener werden zum Kriegsdienst eingezogen. Drei kommen nicht zurück. (Einer starb an Typhus, der andere an der Ruhr, der dritte wurde von einem Fuhrwerk überfahren. Pfarrer Bertrams)

1871 wohnen in Glessen 1031 Personen.

1871 Nach dem Tod von Pastor Berg übernimmt Peter Metzdorf die Pfarrei.

1871 beginnt der Kulturkampf in Preußen. Preußen ergreift Maßnahmen, um den Einfluss der katholischen Kirche im öffentlichen Leben einzuschränken. Die geistliche Schulaufsicht und der Taufzwang wird aufgehoben. Die Zivilehe wird eingeführt.

1873 Die Schule wird dreiklassig.

1874 Johannes Hau wird Ortsvorsteher von Glessen (bis 1919).

1875 wird der Männergesangverein Concordia gegründet.

1875 Reiner Kaumanns aus Büsdorf wird Bürgermeister der Bürgermeisterei Hüchelhoven (bis Sept. 1880).

1878 Am 26. 8. bebt viermal die Erde, um 9, 11, 17.30 und 22.45 Uhr.

1880 Theodor Commer, aus Büsdorf wird Bürgermeister (bis Dez. 1918).

1881 Wieder gibt es ein starkes Erdbeben von 10 Sek. Dauer.

1882 Die neue Schule an der Hauptstraße (Hohe Straße) wird bezogen.

1886 In das neue Pfarrhaus zieht der neue Pfarrer Gerhard Willibald Münch (bis 1903) ein.

1886 Von 3 – 6 Uhr gibt es ein schreckliches Gewitter, Scheune der Witwe Esser und die Wassermühle Schotten samt dem Wasserrad werden vom Blitz getroffen. Der Weiher „verläuft“. Es hagelt und regnet ununterbrochen. Gewaltige Bäche laufen „an der Schlucht von Büsdorf (= die Hüll) herab“ und in die Niederung am Broichhof. Aus dem Broichhof muss Lehrer Maus schwimmend Kinder retten. Viele Keller stehen voll Wasser.

1888 Der Glessener Kirchenchor wird gegründet.

Der "sehr musikalische Küster Johann Schumacher" gründete im Jahr 1888 den Kirchenchor, der "bald Tüchtiges auf kirchenmusikalischem Gebiet" leisten sollte. Ihm folgte Kaplan Linzbach als Chorleiter, der wegen seiner Doppelfunktion als Geistlicher und Chorleiter eine Gehaltserhöhung von 300 auf 600 Mark bewilligt bekam. 25 Jahre später wurde einigen Chormitgliedern das Singen in der Kirche jedoch vom damaligen Pfarrer Bertram untersagt, weil sie auch weltliche Lieder im Chor einstudiert hatten.

1895 Zur Erinnerung an die Siege von 1870/71 wird die Siegeseiche „an der Dränke“ (Abzweig Hohe Straße, Im Tal) gepflanzt.

1895 wohnen hier 1055 Personen.

1896 Regierungsrat Schotte von der Kölner Bezirksregierung schreibt nach einer Überprüfung der Verwaltung der Bürgermeisterei Hüchelhoven: „Unter der Bevölkerung herrscht Wohlstand. Sozialdemokratie ist nicht vorhanden. Die Bevölkerung ist sparsam, fleißig und ordnungsliebend.“

1897 Der 100-jährige Geburtstag des Kaisers Wilhelm I. wird mit einem Umzug und mit Feiern in allen drei Sälen begangen.

1897 gibt es die ersten Telefonanschlüsse im Ort.

1899 wird der Kriegerverein und der Kameradschaftliche Verein gegründet.

1896 Im letzten Jahrzehnt des 19. Jahrhunderts übernimmt der Fabrikant Silverberg die Gruben Giersberg-Fortuna, Schlenderhan und Urwelt. Der Braunkohlenabbau nimmt größere Ausmaße an, und mehr und mehr Glessener Landarbeiter und Bauernsöhne (es sollen um 1900 ca. 120 gewesen sein. Pfarrer Bertrams) gehen zur Arbeit in den nahegelegenen Tagebau. Sie arbeiten dort in den verschiedensten Berufen: als Hauer und Schürfer, Handlanger, Brikettformer, Bagger- und Lokomotivführer u. a.



Gerda Korth, Ausschnitt aus einem unveröffentlichen Manuskript.
Die Angaben zu diesem Kapitel sind folgenden Veröffentlichungen entnommen:
a) Braschoß, Dr. H., Aspekte der Geschichte von Glessen, in Geschichte in Bergheim, Jahrbuch des Bergheimer Geschichtsvereins e.V., Bd., 12, 2003
b) C. Simons, Historische Wanderungen zwischen Erft und Rhein, Overath 1925
c) Pfarrarchiv Glessen, PfA Glessen 14, einzusehen im Diözesanarchiv, Köln

Gerda Korth: Glessener Straßen und Wege


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