Kurt Wilhelm Büchel, Glessen

Die Entstehung der Karnevalsgesellschaft „Glesser Bessem"


Glessen Alaaf!

Bessem Alaaf!

Glesser Bessem Alaaf!

So ertönte es am Samstag, den 07. Februar 1948, ab 19.30 Uhr im Saale Spenrath in Glessen. Es begann die „Große Prunksitzung" der Karnevalsgesellschaft „Glesser Bessem”. Auch damals hieß es schon „Kostüme sind erwünscht". Alle Stuhlreihen waren besetzt - auf Tische hatte man wohlweislich verzichtet - denn der Knolli Brandy hatte auch unter den Stühlen Platz.

Präsident der Glesser Bessem K.G. und Sitzungspräsident Jupp Scheurer eröffnete die Sitzung mit den Worten:

„Liebe Närrinnen und Narren! Vielleicht ist Ihnen noch nicht bekannt, daß einer der ersten Karnevalisten der Dichterfürst Wolfgang von Goethe war. Er sagte zum Kölner Karneval: Löblich ist ein tolles Streben, wenn es kurz ist und mit Sinn, Heiterkeit zum Erdenleben, sei dem flüchtigen Rausch Gewinn! Doch auch ein anderes Wort hat von ihm Geltung: Greift nur hinein ins volle Menschenleben und wo Ihr's packt, da ist es interessant! Jawohl, meine Närrinnen und Narren, wir wollen am heutigen Abend hineingreifen in die bunte Narrenwelt. Wir wollen die Geschehnisse der heutigen Zeit und den Alltag einmal durch die Narrenbrille sehen.”

Erst 7 Monate zuvor, am 25. Juni 1947, war die Gesellschaft gegründet worden. Wie kam es dazu?

Durch einen Bombenschaden in Köln kam J. Scheurer mit seiner Mutter nach Glessen. Josef Scheurer arbeitete als Abteilungsleiter bei dem Unternehmen F.W. Brügelmann & Söhne in Köln-Deutz, da das Stammhaus am Kölner Altermarkt in Trümmern lag. Die Fahrstrecke beschreibt Jupp Scheurer so: „Nach der Arbeit ging ich von Deutz zur Haltestelle an der alten Kölner Hauptpost am Kölner Bahnhof. Von dort fuhr ich regelmäßig mit dem Postbus, einem alten Dreiachser, bis Brauweiler. Da es keine Anschlußverbindung nach Glessen gab, legte ich die Strecke von Brauweiler nach Glessen zu Fuß zurück. So ging es allen, die diese Strecke zurücklegen mußten."

Eines Tages, zu Beginn des Sommers 1947, warteten mehrere junge Männer aus Glessen an der Haltestelle an der Kölner Hauptpost auf den Bus nach Brauweiler. Unter ihnen auch Richard Kulartz. Er gehörte zu einem Kreis von aktiven Glessenern. die damals bereits eine Gesellschaft gegründet hatten mit dem Namen „Grün-Junge". Auftritte hatte es jedoch noch nicht gegeben. Richard Kulartz sprach Jupp Scheurer an: „Hörens, Du wonst doch och in Glessen, bis ne kölsche Jung, häste wat mit dem Fastelovend zu dun?”. „Du kannst mir jefallen", so Jupp, „ich wor im Kölner Karneval schon immer tätig” und er berichtete Richard von seinen Kölner Karnevalsaktivitäten.

Schon bald war ein Treffen arrangiert und am 25. Juni 1947 etablierte sich die Karnevalsgesellschaft „Glesser Bessem" mit ihrem ersten Vorstand:

Vorsitzender: Ernst Hoven
Stellvertretender Vorsitzender:Adam Kux
Jupp Scheurer
Beisitzer:

Peter Forst
Peter Schreuer
Schriftführer:



(1) Josef Schüller
(2) Josef Wolter
(1) Peter Schreuer
(2) Ferdinand Lammet
Leiter der Vortragsgruppe: Peter Wingerath
Senatspräsident: Gottfried Zimmermann


Die junge Karnevalsgesellschaft nannte sich nach einem Reisigbesen, dem Glesser Bessem. Dieser wurde wahrscheinlich seit Anfang des 20. Jahrhunderts bis zum Beginn der 70er Jahre in Glessen in manchen Häusern hergestellt, in allen Glessener Haushalten und Bauernhöfen benutzt und auch in die umliegenden Dörfern verkauft.

In dem Marschlied „Glesser Tön” von Jupp Scheurer heißt es im Refrain:

„De Glesser Bessem es uns Ideal.
Er ist en jeder Stroß,
Wat bruche mer ene Randkanal.
Mer han en schöne Joß!”


Erschienen in:
"D'r Zoch kütt..", Glessen 2002, S. 11 und 13
Interessengemeinschaft Glessener Karneval


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